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Clubtour nach Hintertux im Zillertal

Bericht einer (von vielen) erlebnisreichen Skiclub-Touren in den 80er-Jahren

von Hannes Kurath † Tannenboden

Am Freitag, den 30. September 1983 unternahmen 40 Damen und Herren den jährlichen Herbst-Ausflug des Skiclubs Flums. Die Reise führte diesmal ins schmucke Zillertal im Tirol. Sicher und rassig steuerte "Hirschä-Seppi" den Car in Richtung Innsbruck, während man die von Rupf Heiri und Rebstock-This gestiftete Tranksame genoss und mit Sprüchen und Witzen am laufenden Band eine Bombenstimmung aufkommen liess. Der wunderschöne Baustil im Zillertal beeindruckte jedermann gleichermassen.
In unserem Bad-Hotel Kirchner in Hintertux stand das Nachtessen schon bereit. Spätestens beim Zimmerbezug stellte jeder fest, dass wir uns in einem Luxus-Palast befanden. Bemerkungen wie "Tschuttplatz" oder "Eifamiliähüsli" fielen in der Reihe und bezogen sich auf Zimmergrösse und Ausstattung.
Das kleine echt alte Einheimischenbeizli war geradezu ideal, um mit Gesang und Handorgelklängen ein tolles Fest loszu- lassen. Der Kellner hatte artig zu tun und kam nicht mehr in den Genuss des Vormitternachtsschlafes. Schon gar nicht die beiden Söhne des Hotels, die eigenhändig und mit erstaunlicher Freundlichkeit die Gästeschar des Skiclubs im "Batzenkeller" bis in den frühen Morgen bedienten.
Nur kurz danach hiess es frühstücken und ab auf die Bergbahn. Eine Vierergondel in zwei Sektionen führte nebst anderen Skigästen auch die fröhliche Flumserschar hinauf zum Tuxerferner-Haus. Von hier aus waren es moderne Sessel- und Schlepplifte, die das grosszügige Skigebiet des Hintertuxer-Gletschers erschlossen. War das Wetter auch nicht wie auf den Postkarten und der Schnee, des heissen Sommers wegen, spärlicher als gewöhnlich, alle genossen es, nach Lust und Laune skifahren zu können. Man hatte kaum Zeit zum Mittagessen. Nur wer einen talgigen Semmelknödel erwischte musste sich zwangsläufig etwas mehr Zeit lassen. Erst am späten Nachmittag, als im Bergrestaurant der "Obstler" ausging und das Liftpersonal den Feierabend herbeisehnte, gab man sich zufrieden und plumpste mit schweren Beinen in die talwärts fahrende Gondel hinein.
Das herrliche Thermalwasser im hoteleigenen Bad verlockte nochmals zu Bewegung und entspannte Körper und Geist. Doch bald wurde es ruhig und fast der ganze Clan zog sich für ein kurzes Nickerchen in die Federn zurück. 
Das Dutzend Flaschen Wein - gestiftet von Stefan Gassner (Gassner-Sport) - wurde gleich als Aperitif geschluckt und „chlepfte" natürlich alle wieder tüchtig in Schuss. Die Gaudi war alsdann perfekt und begleitete uns auch in ein benachbartes Lokal, wo die Wirtsleute keine Mühe scheuten um uns jeglichen Wunsch, betreffend Tischordnung, zu erfüllen. Mit anderen Worten, kein einziger Tisch im Restaurant stand mehr an seinem angestammten Ort, damit alle Skiclübler zusammen sitzen konnten. Mir kam es vor, als hätten sie Gutes von uns gehört! Die lockere Stimmung liess es zu, dass einer hübschen Kleinbergerfrau (Anm. Susi Eberle-Hermann) die nagelneuen, wunderschön glänzenden Disco-Hosen, auf dem Tisch mit einer Schere, kurzerhand zu Hotpants umgeschneidert wurden, während Hansjörg, mit Hilfe von Jonnys (Wildhaber) Nassrasierer, die Hälfte seines schwarzen Vollbartes opferte. 
(Anm. Kurz vor unserem Ausflug haben Kurath Hannes und Riederer Hansjörg abgemacht, während der Clubtour die Bärte abzuschneiden. Da bei der Hotpants-Schneiderei gerade eine Schere zur Hand war, fiel Hannes' Bart teilweise diesem Werkzeug zum Opfer. Teilweise deshalb, weil sich Hannes einen „Boxer" stehen liess. Dies war für Hansjörg der Grund, auch einen Teil seines Gestrüpps stehen zu lassen, weshalb er sich bloss die rechte Gesichtshälfte rasierte.)
Die fidele Gesellschaft siedelte dann wieder in den „Batzenkeller" über, wo uns die gute Betreuung bereits bekannt war. Nur der Discjockey liess seine Aufgabe schnell im Stich, als er eines unserer jungen Mädchen entdeckte und intensiv zu scharren begann. Für längere Zeit wurde das Mischpult zum Selbstbedienungsladen ….
Weil es schon die zweite Nacht war, wollte man gegen vier Uhr wirklich schlafen gehen, als plötzlich ein Mann durch die Bar rannte und entsetzt rief: „Es brennt, es brennt!" Kaum einer nahm diese Aussage ernst, ausser Hans Rupf und Hansjörg die dem Bauer nachrannten. Aber man wollte noch einmal nachsehen und begab sich auf die Strasse. Alles war mäuschenstill, nirgends Feuer, nirgends Rauch. In der Annahme, es sei ein übler Scherz gewesen, schlenderte man wieder dem „Batzenkeller" entgegen. Jetzt kam der Geruch von verbranntem Heu in unsere Nasen und in wenigen Minuten standen wir vor einer Scheune am Dorfrand. Es war ein Hotel Garni mit angebautem Bauernbetrieb. Dort war ein Mann damit beschäftigt, Mähmaschinen und Transporter aus dem Tenn zu schaffen. Im Tenn waren Heu und Stroh, das bereits an verschiedenen Orten brannte. Rupf Hans versuchte mit Plachen das Feuer zu ersticken und gab dem Bauer den dringlichen Rat Wasser herbei zu schaffen. Aber er beschäftigte sich weiterhin damit Maschinen zu „retten". Inzwischen hatte sich Hans seiner Lederjacke entledigt und warf sie zum Gebäude hinaus. Da auch wir weder Feuerlöscher, noch Gartenschlauch oder Schlauchkiste auffinden konnten, öffneten wir die Stalltüren und lösten das gute Dutzend Vieh von den Ketten. Anschliessend wurden die sich recht nervös verhaltenden Schweine aus ihrer misslichen Lage befreit. Rupf Hans packte das mindestens einen Doppelzentner wiegende Mutterschwein an Ohr und Schwanz und führte es, unter ohrenbetäubendem Gekreische, zum Ausgang.
Zu meinem Erstaunen wohnten im selben Gebäude auch noch Gäste. Durch unseren Lärm aufgeweckt wussten sie inzwischen, dass es brennt, aber beschäftigten sich seelenruhig mit Koffer packen. Das Feuer hatte inzwischen auf Heustock und Stall übergegriffen. Explosionsartig entfachte sich das Feuer bis unter das Scheunendach und das Gebäude stand innert Sekunden im Vollbrand, doch immer noch war kein Wasser zur Stelle. Während Hansjörg und ich die Leute, es waren Gäste des unmittelbar angebauten Hotels, buchstäblich aus den Zimmern hinaus beförderten, zeigten Kurath Erwin und Rupf Hans den herbei geeilten Einheimischen, wie man einen Hydranten ohne das richtige oder dafür vorgesehene Werkzeug bedient. Nun waren endlich einige Schläuche (auch Wasserschläuche) auf dem Platz und man konnte eine Leitung erstellen. Man fand sogar Schläuche die mit der zum Hydranten passenden Storzkupplung ausgerüstet waren, und auch das anfangs fehlende Strahlrohr wurde doch noch gefunden. Der Rohrführer war beeindruckt von seiner Wassermenge und spritze auf den im Vollbrand stehenden Heustock. Die Bretterwand war bereits durchgebrannt und heruntergefallen. Ich packte den Rohrführer kurzentschlossen und drehte ihn samt Strahlrohr gegen das sechs Meter entfernte Hotel, wo bereits viele Fensterscheiben geborsten waren und die Holzfassade zu entflammen drohte. Die Wand war so heiss, dass beim Bespritzen anfangs Dampfwolken entstanden, dass man das Gebäude kaum erkennen konnte. Dann folgte die Jagd durch alle Zimmer in diesem Hotel. Hier hatte man etwas mehr Zeit und man konnte die Gäste in Ruhe orientieren. Wer von Hansjörg aus dem Schlaf gerissen wurde, erschrak vielleicht eher wegen seinem ungewöhnlichen Aussehen - er war ja auf einer Seite rasiert – als wegen der Nachricht, dass das gegenüberliegende Gebäude brennt. In diesem Haus waren unter anderem auch die japanische Skinationalmannschaft untergebracht. Mit gepackten Koffern verliessen sie das Hotel „was gisch, was häsch" und machten sich schleunigst aus dem Staub. Ob es die Angst vor dem Feuer war, oder ob Hansjörgs Aussehen ihnen den Schrecken in die Glieder fahren liess, ist nicht bekannt. 
Nun endlich traf das Tanklöschfahrzeug der benachbarten Gemeinde Lanersbach ein. Die ausgebildete Feuerwehr setzte das gute Material vielseitig ein. Das Wasser wurde vom hoteleigenen Schwimmbad bezogen und es waren in kürzester Zeit 7 – 8 Leitungen in Funktion. So konnte das Hotel und der Gästetrakt, welcher mit einer Brandschutzmauer von der Scheune getrennt war, gehalten werden und in zirka einer halben Stunde war das Feuer unter Kontrolle. Der Stall und die Scheune waren jedoch verloren. 
Ach ja, da war noch etwas mit einer Lederjacke. Die Jacke von Rupf Hans, der er sich anfangs entledigte, lag zu nahe am brennenden Gebäude, um sie zu holen. Die Feuerwehr erstellte eine Wasserwand und mit letzter Kraft und letztem Mut konnte diese aus der Gefahrenzone geborgen werden. Der Hitze wegen hatte die Lederjacke natürlich nur noch ein Drittel ihrer ursprünglichen Grösse. Hans nahm seine Ausweise aus der Jacke und entsorgte seinen „Tschoppen" in einem in der Nähe stehenden Holzschopf. 
Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass die Skiclübler durch ihren Einsatz eine wahrscheinliche Katastrophe verhindert haben.
Nach einem kurzen Schlummertrunk mit dem Feuerwehrkommandanten, in der Küche unseres Hotels Kirchner, begaben wir uns dann zur wohlverdienten Nachtruhe. Immerhin war es wieder weit nach sechs Uhr morgens.
Der Sonntag diente vorwiegend der Erholung. Immerhin wurde rechtzeitig ausgerückt und wacker Ski gefahren. Bald aber füllte sich die Gletscherhütte mehr und mehr mit Flumsern. Der Jagertee, ein „Othmar" auf Tirolerart hatte es in sich. (Anm. Damals kannte man Jagertee in der Schweiz noch nicht.) Man diskutierte, lachte und genoss die gute Atmosphäre.
Eigentlich viel zu früh musste man die Rückreise antreten. Bevor wir aber starten konnten ist noch die Gendarmerie mit einem verschmorten Stück Leder aufgetaucht. Sie suchten den Besitzer dieser „ehemaligen" Lederjacke. Nach einer kurzen Einvernahme wurde der tapfere Kleinberger wieder freigelassen, nachdem er den österreichischen Gendarmen glaubhaft darlegen konnte, dass er den Gaden wirklich nicht angezündet hätte. Dass es dann im Postauto bald einmal sehr ruhig wurde, versteht sich von selbst. Alles in allem dürfen wir uns an eine tolle Clubtour erinnern und hoffen, noch recht viele solche miteinander unternehmen zu können.

Schüü isches gsi, eifach richtig schüü ......

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