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Das Derby-Zeitalter

Legendäre Nachtslaloms in den 60er- und 70er-Jahren im Tannenheim: Tausende von Zuschauern und bekannte Namen wie Ingemar Stenmark, Steve und Phil Mahre sowie Bernhard Russi oder Walter Tresch waren dabei.

Bericht im "Sargansrländer" von 8. Februar 2012   Text: Pius Rupf     Ranglisten: Hannä Bless

 

Die Flumser haben einiges im Doppel- und Multipack. Denken wir an die zwei Musikvereine Bürger- und Harmoniemusik oder an die zwei Fasnachtszeitungen «Hächlä» und «Chrottni». Flums hat nebst der Politischen Gemeinde drei Ortsgemeinden und eine Ökonomische Gemeinde. In den Anfängen des 20. Jahrhunderts wurden die drei Skiclubs Flumserberg, Spitzmeilen und Weissenberg gegründet. 1962, also vor 50 Jahren, schlossen sich die drei Clubs zusammen zum Skiclub Flums. Enthusiastisch gestaltete sich die Fusion aber nicht. Der SC Flumserberg und SC Spitzmeilen hatten im Gegensatz zum SC Weissenberg einiges Geld in den Kassen, die Kleinberger dafür gute Rennfahrer (Edy Bruggmann, Eugen Wildhaber (Sässli-Geni) & Co.). 

Flumser Skirennen

In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurden in Flums verschiedene Skirennen ins Leben gerufen. Die Kurhäuser-Abfahrt fand jeweils am Neujahrstag vom Tannenboden bis in den Raum Alpenhof statt. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt waren die Flumserberger Derbys. Das Maschgenkamm-Derby organisierte der SC Spitzmeilen und dasProdkamm-Derby der SC Flumserberg. Eigentlich bedeutet das Wort «Derby» Ereignis im Mannschaftssport und kam früher auch im Skisport zur Anwendung.
Das Prodkamm- und das Maschgenkamm-Derby führten bei normalen Schneeverhältnissen bis ins Dorf. Dabei kam es manchmal vor, dass Fahrer überholt wurden oder dass ein Rennfahrer trotz zwei Stürzen gewann. Sieger dieser Derbys, die jeweils auch ein geselliges Ereignis darstellten, wurden nebst Fahrern aus der Region auch aus dem Toggenburg und Bündnerland. An einzelnen Rennen beteiligten sich Rennfahrer aus Schwaz im Tirol, denn in den Kriegsjahren bildete Flums die Patengemeinde von Schwaz.
Auch mich hat in den 50er-Jahren das Derby-Fieber gepackt. 1952 war es: Gestartet wurde auf Prodkamm und das Ziel stand rund 1500 Höhenmeter weiter unten am Pfannerrain am Dorfrand. Heilfroh war ich, bei der langen und kaum präparierten Abfahrt das Ziel am Fuss des Pfannerrains erreicht zu haben. Trotz eines Sturzes gewann ich noch eine Medaille. Sie ziert heute einen Kleiderbügel.

Hochgamatsch-Derby

Als ein abenteuerliches Rennen galt das Kleinberger Hochgamatsch-Derby, das auch bei guten Schneeverhältnissen nie eine grosse Teilnehmerzahl erreichte. Allein der Aufstieg zu Fuss zum Start auf den 2368 Meter hoch gelegenen Hochgamatsch, der nur 60 Meter unterhalb des Hochfinslers liegt, war mit den damaligen Aufstiegshilfen eine gewaltige Leistung. Und die infernalische Abfahrt über Lawinenhänge, durch steile Waldpartien, einer Gegensteigung und schliesslich bis ins Ziel auf Portels gestaltete sich zu einer echten Tortur. Da gönnte sich unterwegs zur Stärkung der eine oder andere einen rechten Schluck aus dem «Schnapsgüterli» und ohne Stürze kam keiner ins Ziel. Dabei ging es bezüglich Zeitmessung nicht um Hundertstel eher um Viertelstunden. Etliche Male kam dieses Derby am Kleinberg jedoch nicht zur Durchführung, die wenigen Sieger aber wurden jeweils als Helden gefeiert.

Sässliwiesen-Riesenslalom

Über etliche Jahre hin war der Sässliwiesen-Riesenslalom am Kleinberg eine wichtige Veranstaltung im überregionalen Rennkalender. Der Riesen, der vom Start beim Berghotel Sässliwiese, wo der legendäre Rennfahrer Eugen Wildhaber (Sässli Geni) gross wurde, hinunter auf den Portels führte, war sehr beliebt. 
Es war anfangs der 60er-Jahre: Als Präsident des SC Weissenberg erstellte ich zusammen mit dem damaligen Kleinberger Lehrer Edmund Bruggmann und einem weiteren Clubmitglied im Restaurant Frohe Aussicht die Startliste für den Sässli-Riesen. Das Schreiben der Liste im «Adlersystem» auf der Hermes-Baby-Schreibmaschine gelang noch einigermassen. Aber der Umdrucker bescherte uns grosse Mühe. Erst morgens um 03 Uhr des Renntages und nach langem Lästern und Fluchen waren die rund 50 Startlisten fertig. Umso besser klappte dann der ganze Rennverlauf vor einer anständigen Zuschauerkulisse im Zielraum auf dem sogenannten Schlössli.

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