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Vor 40 Jahren erlebten die Flumser Goldene Tage

Von der Winterolympiade von 1972 im japanischen Sapporo brachten die Flumser Skifahrer zur Überraschung der ganzen Skiwelt zwei Gold- und eine Silbermedaille heim.

Bericht im "Sarganserländer" vom Freitag, 3. Februar 2012   Text und Bilder: Pius Rupf

Es ist jetzt 40 Jahre her seit den sensationellen Erfolgen der Flumser Skihelden an den Olympischen Winterspielen vom 3. bis 13. Februar 1972 im japanischen Sapporo. Allein schon die Tatsache, dass die drei Flumser Marie-Theres Nadig, Rita Good und Edy Bruggmann an der Winterolympiade in Sapporo zum Einsatz gelangten, war ein grosser Erfolg. 

Dann am 5. Februar gewann die Flumserbergerin Marie-Theres Nadig überraschend die Abfahrt vor ihrer grossen Rivalin Annemarie Pröll aus Östereich. In der Abfahrt der Herren siegte Bernhard Russi vor Roland Collombin. 

Am 8. Februar 1972 wartete morgens in aller Herrgottsfrühe halb Flums vor dem Fernseher auf die Direktübertragung des Frauen-Riesenslaloms in Sapporo. Viele trauten der knapp 18-jährigen Marie-Theres – in Flums wurde sie «Maite» genannt – auch im Riesenslalom einen Spitzenrang zu. Zur Überraschung auch der grössten Optimisten siegte sie schliesslich auch in dieser Disziplin und wieder vor ihrer grössten Konkurrentin Annemarie Pröll. Im Slalom schied Gold-Maite aus wie auch ihre Clubkameradin Rita Good. Marie-Theres Nadig, die in ihrer Karriere nicht weniger als 24 Weltcup-Rennen gewann, ging als einzige Doppelolympiasiegerin der Alpinen von Sapporo in die Geschichte ein. Den Medaillengewinnern in der Abfahrt, im Riesenslalom und im Slalom wurden damals auch Weltmeisterschaftsmedaillen verliehen, da diese Wettbewerbe gleichzeitig als 22. Alpine Skiweltmeisterschaft gewertet wurden.

Auch Bruggmann überraschte

Beim Riesenslalom vom 9. Februar 1972 kam auch Edy Bruggmann zum Einsatz. Der Kleinberger, der seine Karriere 1968 startete, als er mit Startnummer 55 den Weltcup-Riesenslalom von Hindelang gewann, holte in Sapporo hinter Gustav Thöni aus dem Südtirol die Silbermedaille. Damit kam Flums ganz aus dem Häuschen, genoss Bruggmann bei der Bevölkerung doch grosse Sympathien. Mehr als eine Woche lang wurden Tag und Nacht die Olympiaerfolge gefeiert. Skifans aus der ganzen Region kamen nach Flums und feierten mit. In diesen unvergesslichen Tagen wurden in den Flumser Beizen denn auch keine Polizeistunde geboten. Das ganze Dorf blieb über Wochen beflaggt und an vielen  Schaufenstern und Autos prangten Plakate und Kleber, die auf die durchschlagenden Erfolge der Flumser hinwiesen.

Golden-Girl und Silver Boy

Nach den Erfolgen in Sapporo reiste Maitä direkt nach Nordamerika und bestritt dort weitere Weltcuprennen. Am 21. März 1972 konnten die Flumser endlich ihre Medaillengewinner in der Heimat feiern. Es war ein  bombastisches Empfangsfest mit über 20 000 Besuchern. Nicht nur Skifans aus dem Sarganserland, sondern aus der halben Schweiz pilgerten nach Flums,  in die «Skihauptstadt der Schweiz», wie vor 40 Jahren das Dorf im Sarganserland auch genannt wurde. Die St. Galler Regierung war mit drei Regierungsräten vertreten, darunter der in Flums aufgewachsene Gottfried Hoby. Aber auch Adolf Ogi, damaliger Technischer Direktor des Schweizer Skiverbandes, feierte ausgiebig in Flums und am Flumserberg das Golden Girl und den Silver Boy. Mitgefeiert hat auch eine grosse Delegation vom Skiclub Andermatt mit Olympiasieger Bernhard Russi an der Spitze. Das vor 40 Jahren in Flums frenetisch gefeierte Skifest bleibt unvergesslich. Grund zum Feiern hatte damals aber die ganze Schweiz, denn mit den vier Gold- und je drei Silber- und Broncemedaillen war unser Land in Sapporo die erfolgreichste Skination. 

 

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